Presseerklärung zur Außenklasse vom 09.04.2010

Presseerklärung zum Thema „Außenklasse im Landkreis Forchheim“

Schulamt Forchheim, Hainbrunnenschule Forchheim, Adalbert-Stifter-Volksschule

Integration und Inklusion im Landkreis FO – Einrichtung einer Außenklasse

Schon zum jetzigen Schuljahr sollte im Landkreis Forchheim eine Außenklasse eingerichtet werden. Das ist leider gescheitert. Da deren Einrichtung im Sinne der Integration hin zur Inklusion wichtig ist, hat das Staatliche Schulamt in Zusammenarbeit mit der Hainbrunnenschule und deren Träger, der Lebenshilfe Forchheim, unterstützt vom Förderverein integrative Schule Forchheim FisFo e.V. in Zusammenarbeit mit mehreren Grundschulen aus dem Landkreis Forchheim viele Versuche unternommen, im neuen Schuljahr eine Außenklasse zu bekommen. Dies ist erfreulicherweise gelungen. Seit September 2010 gibt es an der Adalbert-Stifter-Volksschule Forchheim eine Partnerklasse.

1.  Bisherige Praxis im Landkreis FO

Kinder mit Behinderungen wurden früher, sofern die Behinderung das zuließ, an den Regelschulen in den Gemeinden mit beschult. Sie gehörten einfach dazu. Dann kam die Überlegung, dass sie in speziellen Schulen durch einen auf ihre Fähigkeiten abgestimmten Unterricht mehr lernen könnten. Man schuf Förderschulzentren, in die die behinderten Kinder des Landkreises gebracht, tagsüber beschult und abends wieder nach Hause gebracht wurden. Der Kontakt zu den Gleichaltrigen in der heimischen Gemeinde verringerte sich dadurch. Auch im Landkreis Forchheim entstand so das Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (Förderschule G) und das Sonderpädagogische Förderzentrum mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung (Pestalozzischule). Seit ca. 7 Jahren können Kinder mit speziellem Förderbedarf in den Regelschulen beschult werden, wenn die Eltern dies so wünschen und beantragen. Dazu muss das Kind aktiv am Unterrichtsgeschehen teilnehmen können. Diese Form der Einzelintegration gibt es z. B. an den Grundschulen in Unterleinleiter, Dormitz, Langensendelbach, Neunkirchen und an der Montessorischule Forchheim. Dabei nehmen die Kinder, je nach ihren Fähigkeiten, am „normalen“ Unterricht teil und werden von den Lehrkräften der Grundschule mit unterrichtet. Die Regelschule wird vom mobilen, sonderpädagogischem Dienst der zuständigen Förderschule unterstützt, beraten und das Kind zusätzlich gefördert. Ansonsten sind die Kinder „ganz normale“ Schulkinder. Eine weitere Form der Förderung wird an der Adalbert-Stifter-Volksschule Forchheim und der Martin-Volksschule Forchheim praktiziert. Diese Klassen nennt man Kooperationsklassen. Dabei besuchen Kinder, die bisher an der Pestalozzischule unterrichtet wurden, wenn sie fähig sind, dem „normalen“ Unterricht zu folgen, den Unterricht in einer Regelschule (Grund- oder Hauptschule). Dabei werden sie nach Möglichkeit von einer Lehrkraft des Mobilen sonderpädagogischen Dienstes der Pestalozzischule unterstützt. Diese Art einer Klasse nennt man Kooperationsklasse, weil auch hier die Zusammenarbeit mit der Förderschule über den mobilen sonderpädagogischen Dienst wichtig ist. Die dritte Möglichkeit wird nun ab dem nächsten Schuljahr die Außenklasse sein.

2. Was ist eine Außenklasse?

Hier geht es darum, Kinder mit geistigem Entwicklungsbedarf in einer ausgelagerten Klasse (=Außenklasse) mit Kindern einer Regelgrundschule (= Partnerklasse) in einem Schulgebäude zusammen zu bringen und soweit möglich gemeinsam zu unterrichten und zu erziehen. Deshalb wird an der Adalbert-Stifter-Volksschule eine Klasse der Hainbrunnenschule ihre Heimat finden, im Zimmer nebenan eine 1. Klasse der Adalbert-Stifter-Volksschule. Die räumliche Nähe führt ganz zwanglos aber auch zwangsläufig zu alltäglichen Kontakten der Kinder untereinander. Ziel ist es, das gemeinsame Miteinander und den Umgang mit anderen, die einfach anders sind, zu lernen, zu erleben und zu leben. So kann der Tag mit einem gemeinsamen Morgenkreis und Liedern beginnen, die neuen Buchstaben zusammen eingeführt werden, einige Übungen dazu von allen Kindern bearbeitet werden. Die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Kinder erfordert dann aber irgendwann eine Differenzierung, so dass ab einer bestimmten Schwierigkeit auch unterschiedliche Aufgaben gestellt werden. Dies ist aber im Prinzip auch in jeder Regelklasse erforderlich, weil auch hier die Lernfortschritte durchaus unterschiedlich sind. Eine Anforderung, auf die sich die Lehrkräfte der Grundschule also bereits einstellen, die aber in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften der Förderschule sicher noch mehr Raum einnehmen wird. Die Schüler der beiden Klassen arbeiten wahlweise in einem Klassenzimmer zusammen oder differenziert – ggf. auch mit einigen leistungsschwächeren Schülern der Regelklasse - in beiden Räumen getrennt. Dementsprechend arbeiten alle - die Klassenlehrerin der Regelklasse, die Klassenlehrerin der Förderschulklasse, evtl. auch eine Heilpädagogische Unterrichtshilfe und ein Integrationshelfer - in der „Gesamtklasse“ mit. Das ermöglicht eine weitaus intensivere Betreuung aller Kinder beim Lernen. Unterrichtet werden die Kinder nach dem ganz normalen Lehrplan der Grundschule bzw. der Förderschule, so dass auch die gleichen Leistungsnachweise und Probearbeiten wie in der Parallelklasse geschrieben werden können. Die Kinder beider Klassen lernen aber sicher im Bereich der wichtigen Sozialkompetenz mehr. Bei der Regelklasse wird es sich um eine Ganztagsklasse handeln, um die Kinder der Hainbrunnenschule kümmert sich am Nachmittag die Tagesstätte der Lebenshilfe. So ist bis in den Nachmittag hinein ein gemeinsames Lernen und Leben in der Schule möglich. Die Vision, die hinter diesen Veränderungen steht, ist die Vision von einer Gesellschaft, die alle Menschen als gleichwertige und gleichberechtigte Mitglieder begreift und die keinen, der anders ist, ausgrenzt. Sie lässt sich nur verwirklichen, wenn alle Kinder – unabhängig von ihrem individuellen Förderbedarf – gemeinsam aufwachsen. Gemeinsam heißt eben auch, dass alle Kinder, die in den Regelschulen und die in den Förderschulen, die verhaltensauffälligen ebenso wie die mit irgendeiner Behinderung, die hochintelligenten wie die weniger Begabten zusammen aufwachsen, beim Lernen in der Schule ebenso wie beim Leben in der Schule und in der Gemeinde. Gemeinsam, das heißt aber auch, dass alle Kinder gemeinsam in die Schule gehen. Eine solche Gesellschaftsvorstellung negiert die Unterschiede nicht – sie reagiert vielmehr innerhalb des Systems einer Schule für alle individuell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse. Lernen und Leben in der Schule und den Gemeinden in gesellschaftlicher Vielfalt schafft den Raum für eine Gesellschaft der Toleranz und Rücksichtnahme.

3. Vorbereitungsarbeiten für die Außenklasse

Das Thema Integration/ Inklusion beschäftigt viele Stellen und Organisationen im Landkreis Forchheim seit langem. Im schulischen Bereich kamen neue Impulse durch den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung“. Danach haben alle Kinder das Recht, in Regelschulen (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium,…) zu gehen und dort zu lernen. Darauf waren die Regelschulen wenig vorbereitet, da das Schulsystem in Bayern mehr darauf ausgerichtet war, für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine spezialisierte Schulform bereitzustellen, in der Kinder ausgerichtet nach Ihrem Förderbedarf gefördert werden sollen. Der grundsätzliche Wechsel im Verständnis vom Förderort von integrativen Kindern erfordert massive Veränderungen im Schulsystem, die leider nicht von heute auf morgen optimal umzusetzen sind, aber angegangen werden müssen. Das Schulamt Forchheim hat deshalb bereits im Schuljahr 2008/09 mit der Information von Schulleitungen in Dienstbesprechungen begonnen und auch Lehrkräfte und Eltern z. B. auf einer Veranstaltung, die zusammen mit FisCo und FisFo e.V. in Buckenhofen durchgeführt wurde, informiert. Die Resonanz darauf zeigte deutlich, dass auch die Eltern der Regelschulkinder hinter der Bildung einer solchen Außenklasse stehen. Die Vorteile der gemeinsamen Beschulung und der gezielten Fördermöglichkeiten auch für leistungsschwächere Regelschulkinder liegen ja auf der Hand. Schulleiter weiterer Regelschulen wurden vielfach in Dienstbesprechungen informiert. Schließlich fand im März dieses Jahres eine Weiterbildung an der Volksschule in Kirchehrenbach statt. Teilnehmer waren alle an einer Außenklasse interessierten Lehrkräfte der Grundschulen in Unterleinleiter, Dormitz, Gräfenberg, Kirchehrenbach und der Adalbert-Stifter-Volksschule Forchheim. Dabei wurde zusammen mit der Hainbrunnenschule der Lebenshilfe Forchheim und der Elterninitiative FisFo e. V. über die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung aufgeklärt und diskutiert. Viele Lehrkräfte haben inzwischen auch die Möglichkeiten einer Hospitation an der Hainbrunnenschule oder an Schulen mit Außenklassen im Landkreis Bamberg oder Coburg, oft auch außerhalb der Unterrichtszeit, genutzt, um sich auf dieses Thema vorzubereiten. In vielen Gesprächen wurden so im Laufe der Zeit die Voraussetzungen geschaffen, um für das kommende Schuljahr an der Adalbert-Stifter-Volksschule mit einer Außenklasse zu beginnen. Diese Schule wurde als erste Schule ausgewählt, weil Lehrkräfte schnell zu dieser Neuerung bereit waren, auch im Bewusstsein, dass auf sie v. a. in der Anfangszeit zusätzliche Arbeit zukommt. Die Eltern der Partnerklasse wurden bereits bei der Einschulung informiert und haben in großer Zahl ihre Bereitschaft zu dieser neuen Form erklärt. Auch der Vertreter des Sachaufwandsträgers, Oberbürgermeister Franz Stumpf, gab bereits grünes Licht. Außerdem verfügt die Schule über geeignete Räumlichkeiten für die Außenklasse, liegt zentral, nicht weit von der Hainbrunnenschule entfernt, so dass kurze Wege bei Vertretungsproblemen, aber auch bei der Zusammenarbeit mit der Tagesstätte der Lebenshilfe (Therapieangebote) einen unkomplizierten Alltag erwarten lassen. Alle Beteiligten stehen hinter dem neuen Projekt, das den Kindern beider Schulklassen förderlich sein wird. Man ist sich aber trotz aller Vorteile auch der Problematik und der größeren Belastungen bewusst. Die beteiligten Lehrkräfte beider Schularten entwickeln neben ihrer normalen unterrichtlichen Tätigkeit eine neue Form von gemeinsamer Beschulung, ohne dafür eine Entlastung in irgendeiner Form zu bekommen. Auch auf die Schulleitungen ebenso wie die Sachaufwandsträger kommen zusätzliche Belastungen zu. Trotzdem wird man das Projekt mutig angehen und die sicher auftretenden Probleme gemeinsam konstruktiv im Interesse der Kinder und nicht zuletzt mit der Unterstützung ihrer Eltern lösen.

Wolfgang Blos, Peter Anzenhofer, Dr. Cordula Haderlein